Eigentlich hatten wir schon vor drei Wochen einen professionelen Scherer engagiert, um mit uns zusammen unsere Alpakas zu scheren. Leider hatte sich an dem Tag kurzfristig ergeben, dass der Termin nicht stattfinden kann und so haben wir uns entschlossen, die Schur der Alpakas in Eigenregie zu übernehmen. Was wir dabei alles erlebt haben und vor allen Dingen, ob alles glatt gelaufen ist, das erfahrt ihr in diesem Beitrag. 

Für mich stand von Anfang an fest, dass ich selber scheren möchte. “Das gehört dazu, wenn du Alpakas hälst, genau so wie die Sache mit dem eigenen Heu.”, dachte ich mir. Nicht zuletzt deshalb hatte ich auch in der Vorbereitungszeit meiner Alpakahaltung mehrere Scherseminare belegt. Darüber hatte ich euch auch schon berichtet.

Jetzt ging es darum, das alles komplett alleine zu stemmen. Es mußte also eine Schermaschine, Messer-Sätze, Fixierhilfen, engagierte Helfer (!) und ein Schertisch her. Letzteren haben wir, inspiriert durch unsere Freunde von “Alpakas des Westens” aus 10 Europaletten, zwei MDF-Platten und zwei Spanngurten gebaut. Die etwas harten Seitenkanten haben wir mit Rohrisolationen aus dem Baumarkt gepolstert. So standen wir ein bißchen Vorbereitung und ein paar hundert Euro später am letzten Samstag bereit, um unsere Tiere von Ihrem Vlies zu befreien.

Alpakas scheren ist Teamwork

Während sich ein Schafscherer ein Schaf noch zwischen die Beine klemmen kann, ist die Schur von Alpakas durch eine Person eher selten. Es gibt zwar Videos im Netz, die zeigen, dass das theoretisch möglich ist, angenehm ist es aber sicherlich für keinen der Beteiligten.

A propos angenehm: Die Schur ist für ein Alpaka niemals stressfrei. Doch ohne Schur geht es natürlich auch nicht. Deswegen versucht man, den Ablauf so unaufgeregt und so kurz wie möglich zu gestalten. Der Scherer wird deshalb unterstützt von Helfern, die das Alpaka an den Beinen und am Kopf fixieren, die die Wolle abräumen und sie direkt sortiert verpacken, die sich nebenbei noch um das Feintuning von Kopf- und Schwanzfrisur kümmern und obendrein noch die Nägel schneiden, was man bei der Schur oft mitmacht, um doppelten Stress zu vermeiden. So haben wir also hochkonzentriert mit Miles begonnen.

Die Ergebnisse

Zugegeben: Bei den ersten beiden Kandidaten Miles und Nelson hat man noch deutlich sehen können, daß ich kein Meister an der Schermaschine bin. Doch wir konnten uns von Mal zu Mal steigern. Ich persönlich war ab dem dritten Tier sehr zufrieden. Nalu, Jackomo, Metti, Gismo und Hurricane waren von echten geschorenen Alpakas nicht mehr zu unterscheiden (Ein breites Grinsen schleicht sich in mein Gesicht :-)

Was machen wir nun mit dem hochwertigen Zeug?

Wie letztes Jahr auch bieten wir unsere Rohwolle zum Verkauf an. Die Zahl derer, die Wolle zu Strickgarn verspinnen und daraus dann tolle Wollprodukte wie Mützen, Schals und Pullover machen, wächst stetig. Hier in Castrop-Rauxel gibt es eine kleine aber feine “Szene” von Spinninteressierten, die die Rarität und Qualität unserer Alpakavliese zu schätzen weiß. Euch und allen anderen wünschen wir viel Spaß beim Verarbeiten unserer Alpakavliese.