Als wir vor einigen Tagen abends nach Hause kamen, stellten wir fest, daß unsere Hühner (mal wieder) einem Raubvogelangriff zum Opfer gefallen sind. Was das Schicksalhafte an diesem Ereignis ist, darauf komme ich noch, doch zunächst mal der Reihe nach. Wir haben unser Hühnergehege am Waldrand. Da wir schon öfter von Raubvögeln attackiert wurden und auch schon zahlreiche Verluste dabei erleiden mußten, sind wir dazu übergegangen, das Areal um den eigentlichen Stall nicht nur einzuzäunen, sondern mit einem Beerennetz zu „überdachen“.

„Somit sind die Hühner sicher“, könnte man meinen. Leider kam es aber in der Vergangenheit vor, daß findige Hühner doch eine Lücke im Zaun entdeckt haben und ausbüchsen konnten, worauf hin der Raubvogel seine Beute nur noch aufsammeln mußte oder aber sogar der Übeltäter durch ein Loch ins Innere des Geheges vordringen konnte und dort alle Zeit der Welt hatte, sich gemütlich seinen Opfern zu widmen. Bis vor wenigen Tagen ist dies zwei Mal passiert: Einmal bekam der Vogel genau das, wofür er da war, einmal endete dieses Unterfangen sogar tödlich für den Raubvogel. In meinem Beitrag zu „Machomän“, unserem damaligen Hahn im Hennenkorb berichtete ich bereits davon.

Kurioser geht es fast nicht mehr.

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Dieses Mal hingegen ereigneten sich gleich zwei Kuriositäten:
Im Netz, daß das Dach bildet, war ein ca. 40cm Loch zu entdecken. Darüber war er offenbar eingedrungen. Als ich dazu stieß, war unser Nachwuchs-Hahn bereits seit längerem tot und schon bis auf die Knochen verzehrt. Alle anderen Hühner hatten sich in den Stall zurückgestoßen und warteten dort aufgeregt gackernd das Ende ihrer Todesängste ab. Der Raubvogel selbst hatte mittlerweile erkannt, daß er wohl irgendwie eingesperrt war und war Gott sei Dank mehr damit beschäftigt aufgeregt flatternd einen Ausgang aus dem Gehege zu finden, als sich um die restlichen „Leckerbissen“ zu kümmern.

Alle Hühner hatten sich im Stall verschanzt? Nein!

Bei genauerem Nachzählen fiel mir auf: „Moment, da fehlen noch drei.“ Aber wo sind die Kadaver? Sollte der Räuber sich tatsächlich an vier Tieren auf einmal vergangen haben?
Ich kann euch beruhigen, dem war nicht so, denn irgendwann hörte ich ein leises Gackern aus einem Gebüsch ca. 15 Meter entfernt vom Hühnergehege. Und siehe da: Die drei Verlorengegangenen saßen dort und warteten auf Abholung, da sie sich keinen Millimeter mehr vor das Gebüsch trauten. Wie die dort hingekommen sind, welchen Notausgang aus dem Gehege sie genommen haben? Ich habe leider keine Ahnung!“ Was ich aber sagen kann ist, daß ich recht glücklich war „nur“ ein Tier verloren zu haben.

Als Erstes sorgte ich mal dafür, daß alle Hühner sicher sind und sperrte den immernoch flatternden Raubvogel im Gehege ein. Er war aufgeregt und auch schon ziemlich matt, da er wahrscheinlich schon seit Stunden vergeblich versuchte, aus dem Gehege zu entkommen. Deswegen hatte er mir mit meiner Kamera auch nichts entgegen zu setzen und so konnte ich dieses ziemlich imposante Tier erstmal ausgiebig von Nahem begutachten, filmen und fotografieren. Immer näher traute ich mich heran, wohlwissend, daß mir das Tier mit Krallen und Schnabel durchaus Verletzungen zufügen könnte. Er ließ mich aber gewähren und ich wüßte zu gerne, was ihm während dieser Zeit durch den Kopf geschossen ist. Am Ende habe ich Ihn auf einem Besen aus dem Gehege getragen und ihm somit die Freiheit geschenkt. Er warf noch einen Blick zurück und erhob sich dann in den Wald und war seitdem nicht mehr gesehen.

Man sagt, Raubvögel kommen wieder, wenn Sie einmal leicht an Futter gekommen sind, bleibt nur zu hoffen, daß ihm diese aufregende Aktion nicht allzu leicht gefallen ist.

Ich hoffe, meine kleine Geschichte hat euch gefallen. Wenn es einen Tierexperten unter euch gibt, der mir sagen kann, welche Art von Raubvogel auf den Bildern zu sehen ist, meldet euch in den Kommentaren.