… aber keine Sorge, er ist wieder da und alles ist noch dran, was aber gestern Abend während unserer fieberhaften Suche nach ihm passiert ist, darüber möchte ich euch kurz erzählen. Gestern Abend habe ich ein bißchen im Haus gewerkelt und Balou saß währenddessen wie so oft auf der Terrasse und genoß die Aussicht und das Abendlicht. Normalerweise klappt das auch ohne Probleme und er macht keinerlei Anstalten wegzulaufen. Offenbar hat er aber gestern für sich entschieden, einen kleinen Ausflug zu starten, setzte sogleich zum Sprint an und ehe ich es mich versah, war er schon oben am Weg und kurz darauf hab ich nur noch eine Staubwolke gesehen.

Ich schwang mich sofort mit Leine bewaffnet auf mein Fahrrad und wollte ihn einsammeln. Ich wußte, daß er sich womöglich einige hundert Meter am Waldeingang herumtrieb, wo ich ihn schonmal aufgegabelt hatte. Mein Streßlevel war zu diesem Zeitpunkt noch relativ niedrig. Als ich ihn aber dort, wo ich ihn vermutete nicht antraf und auch die weitere Suche im Wald und Umgebung keinen Erfolg brachte, wurde ich zusehens nervöser. Was, wenn ihn ein Auto anfährt, oder er nicht selbst zurückfindet und ihn jemand auffindet. Würde derjenige uns anrufen, damit wir ihn abholen können oder haben wir ihn womöglich dauerhaft verloren?

Meine Freundin suchte mittlerweile ebenfalls mit und trotzdem fehlte weiterhin von Balou jede Spur. Langsam machten wir uns ernstaft Sorgen und wollten schon gerade die Suche aufgeben, weil es auch stockfinster wurde, da trafen wir im Wald einen Mann mit seinem Hund. Im Gespräch darüber, ob er eventuell etwas gesehen hatte, erzählte er uns, sein Hund sei in der Ausbildung zum Spürhund und er könne uns anbieten, seinen Hund nach Balou suchen zu lassen, wir müßten nur etwas besorgen, was stark nach Balou riecht und wir könnten so den Spürhund auf Balou’s Fährte ansetzen. Wir nahmen das Angebot gerne an, schließlich war es für uns eigentlich die letzte Option. Wir hätten allenfalls noch nach Hause zurückkehren können und darauf warten, daß der Hund entweder wieder zurückkommt oder jemand sich meldet, der ihn aufgefunden und mitgenommen hat.

Wir besorgten uns also Taschenlampen, ausreichend Wasser und Balou’s Spielball und verabredeten uns wenig später bei uns, um unsere Suche zu starten: Der Spürhund bekommt also diesen Gegenstand vor die Nase gehalten und beginnt sogleich loszuschnüffeln und sich schnurstracks in Richtung Weg zu bewegen. Wir drei Menschen folgtem ihm und er führte uns nun zunächst zum Parkplatz, von da in den Wald. Immer wieder gab es kleine Ausflüge ins Gebüsch und wir drehten eine Riesenrunde durch den Wald. Immer, wenn es dunkel war im Wald, mußten wir dem Führer auf seinen Hund leuchten, damit dieser ihn, wie er sagte „lesen kann“. Am Verhalten des Hundes kann man wohl erkennen, wie gut die Fährte ist, auf der man sich gerade bewegt.
Unsere Fährte war wohl leider nicht die Beste, denn: Nach ca. einer Stunde und mehreren Trinkpausen kamen wir fast wieder an unserem Startpunkt an, hatten Balou aber leider immernoch nicht gefunden. Als die Konzentration des Spürhundes nachzulassen begann, mußten wir die Suche leider beenden.

Das intensive Riechen an dieser Spur ist für den Hund eine unglaubliche, körperliche und gedankliche Höchstleistung.

Vergleichbar mit einem Lauf von mehreren Kilometern, seien nur gut trainierte Spürhunde in der Lage, deutlich länger als eine Stunde lang einer Spur zu folgen. Und da sein Hund wie gesagt noch in der Ausbildung ist, mußten wir leider abbrechen.

Jetzt das Happy End

Kurz bevor wir wieder Zuhause waren, klingelte plötzlich das Telefon. „Wir haben hier Balou gefunden, er liegt in unserem Garten und ist am Hecheln, wir haben ihm etwas Wasser hingestellt. Wir wohnen in Bochum-Gerthe. Wollt ihr ihn abholen?“

Ob wir ihn abholen wollten? :-) „Ehm, ja, gerne“ und so kam es daß nach gut 2,5 Stunden der kleine schwarze Sausack wieder bei uns war. Und er hat bis zum nächsten Morgen schön brav und still in seinem Körbchen gelegen und sich erholt von seinem anstrengenden Ausflug. Hat ja auch ordentlich ein paar Kilometer zurückgelegt.

Dass der Spürhund nicht erfolgreich war, tut mir leid, aber Übung macht den Meister und der Führer war sogar dankbar, daß sein Hund unter realen Bedingungen trainieren konnte und von daher hat es allen Beteiligten etwas gebracht. Uns in jedem Fall interessante Erkenntnisse über einen tollen Hundesport und wir konnten während unserer Suche unsere Sorgen ein bißchen vergessen. Von daher dank an den Hundeführer und seine Spürnase und auch Dank an die Leute, die Balou aufgenommen haben und uns informierten. Wir haben auf jeden Fall gelernt, daß wir Balou mehr auslasten müßen, damit ein zu hoher Energielevel ihn nicht nochmal auf dumme Gedanken bringt.

Ich habe im Netz noch ein bißchen über das Thema „Dogtrailing und Mantrailing“ gelesen und ein paar interessante Links gefunden:

Der Wikipedia-Link zu „Mantrailing“

Ein Artikel in der Hannoverschen Allgemeinen

Ein Artikel zu Personenspürhunden bei der Polizei

Ein Anbieter solcher Trainings